Obertauern – Tag 3

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Dienstag, o7. Juli 2020
Heute wollen wir wieder hoch hinaus. Zuvor jedoch testen wir das Frühstücksbuffet in unserem Apartmenthotel und sind derart angetan, dass wir es sogleich auch für unseren Abreisetag hinzubuchen.

So gestärkt schnüren wir die Schuhe, schultern die Rucksäcke und machen uns auf den Weg.

Fleckvieh auf Wanderschaft

Dieser beginnt nahezu direkt neben unserer Unterkunft: Täglich haben wir seit unserer Ankunft auf die Wegweiser gesehen, morgens und abends Wanderer bei Auf- und Abstieg beobachtet. Nun können auch wir endlich unserer Neugier befriedigen, sehen wie der Weg aussieht und wo er uns hinführt. Ein paar Schritte und schon stecken wir knöcheltief im schönsten Morast: Regen und Kuhherden haben dem Boden arg zugesetzt und so entwickeln sich die ersten Meter unserer Tour zu einem abenteuerlichen Hindernisparkour. Auf der Suche nach einigermaßen trockenen und festen „Inseln“ hüpfen wir von Grasnarbe auf Stein auf Baumstumpf und zurück.

Wir erreichen ein kleines Bächlein, wo wir den schlimmsten Schlick von unseren Schuhen spülen, ehe wir unseren Weg auf nun wieder festem Untergrund fortsetzen.

Wegzeichen

Neben einer kleinen Hütte steigen wir steil den Berg hinauf, gewinnen so schnell die ersten Höhenmeter. Kurze Pause zum Beobachten der hier hausenden Murmeltiere, dann führt uns der Pfad unterhalb der Gamsleitenspitze zunächst durch saftig grüne Wälder den Hang entlang.

Am Hang entlang

Wir genießen den Ausblick ins Tal sowie auf die von uns bereits in den Tagen zuvor erwanderten Berge. Dann erwartet uns der anspruchsvollste Teil des heutigen Rundweges: Im Schatten des Zehnerkar steigen – teilweise fast schon klettern – wir hinauf zur Brettsteinalm und wandern von dort aus zum Wildsee (1.925m). Hier wechseln sich saftige Almwiesen mit Geröll, kleine Schneefelder säumen unseren Weg und über allem thronen majestätisch die Gipfel von Zahnerkarspitze, Predigtstuhl und Glöcknerin.

Nach einer stärkenden Jause oberhalb des Wildsees (1.990m) beginnen wir mit dem Abstieg zur Bödenalm. Schnell wird die Vegetation wieder üppiger und uns begegnen erste andere Wanderer. Zuvor haben wir auch heute die absolute Ruhe und Einsamkeit inmitten herrlichster Natur genossen. – Welch Unterschied da die vollbelegte Felseralm, welche wir nach einem angenehmen Abstieg durch schattige Nadelwälder queren!

Wegweiser beim Wildsee

Von hier aus führt unser Weg die Straße hinab zum Johannesfall. Insgesamt zwar problemlos begehbar, jedoch der mit Abstand am wenigsten reizvolle Teil unserer heutigen Tour: Regulären Asphaltstraßen können wir beim Wandern einfach nichts abgewinnen! Zudem fordern die vorherigen Anstrengungen langsam ihren Tribut. In den Tagen zuvor gelaufenen Blasen lassen Füße unerträglich schmerzen und die ungewohnte Belastung der Knie macht sich ebenfalls nachdrücklich bemerkbar.

Fahrweg zum Johannesfall

So kommt es, dass wir kurz vor dem Johannesfall beim Anblick des letzten bis dort zu bewältigenden kurzen Steigs beschließen, Wasserfall für heute Wasserfall sein zu lassen und statt dessen den Rückweg anzutreten. Immerhin haben wir noch einige Höhenmeter vor uns und da der Bus nach Obertauern gerade weg ist, ist dies angesichts der langen Wartezeiten (2 Std) auch keine Option.

Alpakas an der Felseralm

Also geht es wieder hoch zur Felseralm. Immerhin lässt sich der Aufstieg dank asphaltierter Straße sehr zügig bewältigen, wenn es schon keine Alternative zu diesem Fahrweg gibt.

Waldpfad nach Obertauern

Ab der Felseralm führt uns ein Pfad dann durch lichte Wälder und saftiges Grün zur Neuhofalm. Von hier aus geht es über asphaltierte Spazierwege über idyllische Wiesen und vorbei am glasklaren Flüsschen bis zur Talstation der Zehnerkarbahn. Nun heißt es, die ruhigen Nebenwege zu verlassen und den Aufstieg nach Obertauern Passhöhe in Angriff zu nehmen: Direkt neben der Hauptverkehrsstraße und bei mittlerweile wieder strahlendem Sonnenschein und vollkommen wolkenlosem Himmel.

Ortseingang Obertauern

Doch auch dies ist bald geschafft und so lassen wir nach acht Stunden Wanderung und einer erfrischenden Dusche den Tag gemütlich auf unserem Balkon ausklingen.